EXTRA

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EXTRA | Entwurfsstudio Wintersemester 2016

Master Hochbau I / Bachelor 1.5 / Bachelor Thesis

 

Das Bayerische Viertel wurde maßgeblich in zwei Phasen geprägt: Der Entstehungsphase zu Beginn des 20. Jahrhunderts als großbürgerliches Wohnviertel einerseits, und der Wiederaufbauphase in den 50er Jahren nach den Zerstörungen des zweiten Weltkriegs. Seitdem ist das Bayerische Viertel grundlegenden Neu- und Umplanungen entgangen. So stehen heute die aufgelockerten, ungefassten Straßenräume der 50er Jahre den von Georg Haberland entwickelten großbürgerlichen Stadt-, Platz- und Straßenräumen gegenüber. Pragmatische, sparsame, dünne und niedrige Wohnriegel auf der einen Seite, massive und voluminöse Altbauten auf der andern.

 

Wie in allen Vierteln der Stadt wird auch hier über Möglichkeiten zur Nachverdichtung diskutiert. Insbesondere die Bebauung der 50 Jahre scheint in Zeiten der steigenden Wohnungsnot für einen Innenstadtbezirk wir Schöneberg zu wenig dicht zu sein. Vor diesem Hintergrund beschäftigt sich das Entwurfsstudio EXTRA im WiSe 2016/17 mit einem prototypischen Ort im Bayerischen Viertel. Anhand konkreter Bestandssituationen wird untersucht, wie vorgegebene maximale Gebäudevolumen als Fortschreibung der Stadtgeschichte entworfen und dabei mehr Wohnraum geschaffen werden kann. Bestandsgebäude sollen dabei nicht abgerissen, sondern weitergebaut werden.

 

Ein besonderer Fokus unserer Herangehensweise liegt dabei auf der räumlichen Gestaltung der Gebäude und des Straßenraums. Körperlichkeit, Komposition, Typologie: In dieser Abfolge von Analyse- und Entwurfsschritten wird  Stadtraum, Gebäude und Nutzung als ein voneinander abhängiges Beziehungsgeflecht aus Volumen, Rhythmen und Proportionen weiterentwickelt und gestaltet.

 

Wir richten damit unsere Aufmerksamkeit auf die Transformation der Atmosphäre, die immer auch mit Nachverdichtung einhergeht. Neben der Kulisse des großbürgerlichen Wohnviertels herrscht im Bayerischen Viertel mancherorts eine fast schon vorstädtisch wirkende Siedlungsatmosphäre mit Vorgärten, Hecken und Zäunen, die nicht zu unserer heutigen Vorstellung von Urbanität passen will.  Wie können aus räumlich-architektonischer Sicht die bestehenden Stadträume überformt, weiterentwickelt und konterkariert werden? Wie können Bestandsgebäude aus den 50er Jahren aufgestockt,  aufgedickt, ausgehöhlt und ergänzt werden, um ein differenziertes Nutzungsangebot von privatem Wohnraum und öffentlicheren Nutzungen zu ermöglichen? Wie kann durch die Schaffung von Wohnraum gleichzeitig das bestehende Verhältnis der Wohngebäude zur Öffentlichkeit und das Verhältnis von Innen- zu Außenraum neu verhandelt werden? Wie kann durch eine räumlich-gestalterische Transformation der Architektur und des Kontexts Stadtraum und Urbanität moduliert werden?